Kompakte Maße treffen auf überraschend großzügigen Innenraum
Der koreanische Hersteller bringt ein elektrisches SUV nach Europa, das städtische Abmessungen mit einer Reichweite kombiniert, die man sonst von deutlich größeren Fahrzeugen kennt. Das neue Modell richtet sich an Fahrer, die ein praktisches Stadtauto suchen, ohne ständig die nächste Ladestation im Kopf haben zu müssen.
Mit rund 4,30 Metern Länge bewegt sich dieses Elektrofahrzeug auf Parkplätzen wie ein klassischer urbaner Crossover. Im Inneren wartet jedoch eine Überraschung. Dank eines Radstands von 2,68 Metern bietet es ein Raumangebot, das man eher in höheren Fahrzeugklassen erwarten würde.
Besonders auffällig zeigt sich dies auf den Rücksitzen. Die Beinfreiheit ist üppig bemessen, drei erwachsene Passagiere finden komfortabel Platz und die Neigung der Lehnen eignet sich auch für längere Fahrten. Die großzügigen Platzverhältnisse im Fond gehören zu den wichtigsten Vorzügen gegenüber Konkurrenzmodellen ähnlicher Dimension.
Ungewöhnlich großer Kofferraum für die Fahrzeugklasse
Der Hersteller gibt ein Ladevolumen von 420 Litern an, was den Durchschnitt im Segment kompakter SUVs deutlich übertrifft. Unter dem Ladeboden verstecken sich weitere 14 Zentimeter Stauraum – praktisch für zusätzliches Gepäck oder um Wertsachen diskret zu verstauen.
Dieses Elektrofahrzeug vereint die Abmessungen eines typischen Stadtautos mit einem Innenraum und Kofferraum, wie man sie normalerweise von größeren Familien-SUVs erwartet.
Die Variabilität des Innenraums ist allerdings nicht perfekt gelöst. Die Rücksitzlehnen lassen sich im Verhältnis 40/60 umklappen, doch die Sitzfläche ist nicht längsverstellbar und die umgeklappten Lehnen bilden keine vollständig ebene Fläche. Ein kleiner Bonus ist der vordere Staubereich unter der Haube mit etwa 25 Litern Volumen, ideal für Ladekabel.
Innenraum vom Flaggschiff inspiriert
Das Armaturenbrett orientiert sich deutlich am größeren Modell EV9. Es dominiert eine klare, nahezu minimalistische Linie ohne massive Mittelkonsole. Stattdessen findet man eine Armlehne mit einer ausziehbaren Fläche im Stil einer Lunchbox. Das sieht interessant aus, der praktische Nutzen im Alltag bleibt jedoch begrenzt – es handelt sich eher um ein Designelement als um einen ergonomischen Durchbruch.
Über dem Armaturenbrett erstreckt sich ein breites Panel mit zwei 12,3-Zoll-Displays. Dazwischen sitzt ein kleinerer 5,3-Zoll-Bildschirm zur Steuerung der Klimaanlage. Eine praktische Lösung, auch wenn die Platzierung nicht ideal ist – bei bestimmten Lenkradstellungen verdecken Kranz oder Fahrerhand einen Teil der Anzeigen.
Das Multimediasystem reagiert flüssig und zügig. Die Menüstruktur ist gelegentlich zu verschachtelt und der Zugang zu manchen Einstellungen erfordert etwas Eingewöhnung. Zentrale Funktionen wie Routenplanung oder Batterie-Vorkonditionierung sind glücklicherweise schnell erreichbar, sodass die tägliche Nutzung des Elektroautos keine Frustration verursacht.
Elektro-Plattform mit Charakter nahe am Niro
Das Fahrzeug basiert auf einer speziell für Elektroantrieb entwickelten Plattform, liegt technisch aber näher am Niro EV als an den größeren Modellen EV6 und EV9. Das bedeutet eine 400-Volt-Architektur statt der 800-Volt-Technik der Top-Modelle der Marke.
Auf der Straße setzt das Auto vor allem auf Komfort statt auf Emotionen. Die Lenkung arbeitet leichtgängig, übermittelt wenig Informationen über den Fahrbahnbelag und die Vorderachse reagiert nicht so agil wie bei sportlich abgestimmten Elektrofahrzeugen. Die Kalibrierung der Servolenkung ist dennoch gelungen – in der Stadt parkt man mühelos, auf der Autobahn fehlt die Nervosität bei höheren Geschwindigkeiten.
Das Fahrwerk ist weich abgestimmt und die Sitze komfortabel, was besonders auf beschädigten Straßen auffällt. Die Karosserie neigt sich in Kurven leicht, doch die Insassen genießen hohen Komfort beim Überfahren von Unebenheiten. Bei Autobahngeschwindigkeiten überrascht das Modell mit ausgezeichneter Geräuschisolierung – sowohl Windgeräusche als auch Abrollgeräusche sind gut gedämmt.
Ein Motor mit vernünftiger Leistung
Alle Versionen nutzen denselben frontmontierten Elektromotor mit 204 PS und 283 Nm Drehmoment. Diese Parameter reichen für normale Fahrsituationen vollkommen aus, auch wenn das Fahrzeug den Fahrer nicht beim Durchtreten des Strompedals in den Sitz drückt.
- 204 PS Leistung
- 283 Nm Drehmoment
- Beschleunigung 0–100 km/h in etwa 7,7 Sekunden
- Elastizität 80–120 km/h in 6,1 Sekunden
Die Beschleunigung im typischen Überholbereich auf Schnellstraßen fällt gut aus. Der Fahrer hat ausreichend Reserve für dynamisches Überholen langsamerer Fahrzeuge ohne riskante Manöver.
Rekuperation und i-Pedal 3.0: Die Bremse wird fast überflüssig
Eines der interessantesten Elemente ist das ausgeklügelte System zur Energierückgewinnung beim Bremsen. Der Fahrer kann zwischen mehreren Rekuperationsstufen wählen, die über Schaltwippen am Lenkrad einstellbar sind. Hinzu kommt der Modus i-Pedal 3.0.
Das Elektrofahrzeug ermöglicht es, die Rekuperation so einzustellen, dass die meisten Manöver mit nur einem Pedal durchführbar sind – ohne ständiges Greifen zur Bremse.
Bemerkenswert ist, dass die meisten Elektroautos Modi für freies Rollen und Ein-Pedal-Fahren getrennt anbieten. Dieser Hersteller ging weiter: Jede Rekuperationsstufe lässt sich mit der Funktion zum vollständigen Fahrzeugstopp kombinieren. Wer auf der Landstraße nahezu freies Rollen bevorzugt und in der Stadt starkes Verzögern ohne Bremseinsatz erwartet, findet hier die passende Konfiguration.
Energieverbrauch im Durchschnittsbereich
In dieser Klasse rechnen Fahrer oft mit sehr niedrigem Verbrauch. Dieses Modell ist kein Sparrekordhalter, besonders im Vergleich zum früheren e-Niro. Realistische Messungen zeigen etwa 17 kWh/100 km auf Landstraßen und knapp 24 kWh/100 km bei konstanter Geschwindigkeit um 130 km/h auf der Autobahn.
Der Test erfolgte mit einer reichhaltig ausgestatteten Version auf 19-Zoll-Rädern, die den Verbrauch stets erhöhen. Dennoch rechtfertigt sich die Variante Long Range durch die enorme Batteriekapazität.
Große Batterie ermöglicht solide Reichweite
Version Long Range:
- Nutzbare Batteriekapazität: 81,4 kWh
- Deklarierte WLTP-Reichweite: bis zu 605 km (je nach Bereifung)
- Real auf der Autobahn: ca. 340 km
- Real auf Landstraßen: ca. 380 km
Standardbatterie:
- Nutzbare Kapazität: 58,3 kWh
- Deklarierte WLTP-Reichweite: ca. 436 km
- Real auf der Autobahn: ca. 260 km
- Real auf Landstraßen: ca. 300 km
In der Praxis ermöglicht die Long Range-Variante etwa 240 km zwischen Ladestopps bei normaler Nutzung im Bereich 80–10 %. Das entspricht ungefähr zwei Stunden Autobahnfahrt ohne Pause, was gut mit den Sicherheitsempfehlungen für Fahrer harmoniert.
Ladeleistung: Zahlen beeindrucken nicht, Praxis überzeugt dennoch
Betrachtet man nur die Katalogangaben, macht die maximale Ladeleistung von 128 kW keinen großen Eindruck im Vergleich zu zunehmend häufigeren Werten über 200 kW. Die Situation ändert sich, wenn man den Ladeverlauf genauer betrachtet.
Dank stabil gehaltener Leistung lädt sich die Long Range-Version in der Praxis genauso schnell wie viele Fahrzeuge mit theoretisch besseren Parametern.
Das Fahrzeug hält über 115 kW bis etwa 65 % Batteriekapazität. Das Laden von 10 auf 80 % dauert unter diesen Bedingungen rund 32 Minuten bei einer durchschnittlichen Leistung von 107 kW über die gesamte Sitzung. Das ist ein besserer Wert als bei manchen größeren Konkurrenz-Elektrofahrzeugen mit ähnlicher Batteriekapazität.
Zu Hause oder an AC-Ladestationen steht dem Fahrer ein Bordlader zur Verfügung, der eine vollständige Ladung in etwa 7 Stunden und 15 Minuten bei ausreichend leistungsfähiger Wallbox ermöglicht. Im Angebot ist auch die Funktion V2L. Mit passendem Adapter kann das Auto elektrische Geräte versorgen – vom Laptop bis zur kleinen Camping-Ausrüstung.
Preise und Ausstattung: Gehobene Liga
Der Hersteller positioniert dieses Modell deutlich über einem Budget-Elektroauto. Die Preise beginnen bei rund 41.490 Euro für die Basisversion, die getestete GT-line-Variante mit größerer Batterie kostet 46.790 Euro vor optionaler Ausstattung.
Hinzu kommen Aufpreispakete. Drei Hauptpakete können zusammen fast 4.550 Euro kosten. Kontrovers ist die Tatsache, dass ein so zentrales Element bei Elektrofahrzeugen wie die Wärmepumpe nicht zur Serienausstattung gehört. Sie erscheint in einem Paket zusammen mit bidirektionaler Ladefunktion V2L für etwa 1.550 Euro.
Die Unterschiede zwischen Version Earth und GT-line sind in vielen Bereichen nicht groß. Die höhere Variante fügt hauptsächlich visuelle Extras, besseres Audiosystem, einige Assistenzsysteme und komfortablere Details hinzu. Außerdem lässt sich das attraktivste Paket Inspiration mit elektrischen, beheizten und belüfteten Sitzen, Head-up-Display oder Panoramadach nur zur GT-line bestellen, was Kunden deutlich zur teuersten Konfiguration drängt.
Kleinere Batterie: Echte Ersparnis bei kürzerer Reichweite
Als Alternative zur Long Range gibt es die Version mit 58,3-kWh-Akku. Nur in niedrigeren Ausstattungsstufen verfügbar, ermöglicht sie eine Preissenkung von etwa 4.700–5.000 Euro je nach Konfiguration. Der Hersteller deklariert rund 436 km Reichweite nach WLTP, auf der Autobahn sollte man jedoch eher mit 260 km rechnen. Zwischen 80 und 10 % Ladung schätzt ein Realist die Grenze auf etwa 180 km.
Die maximale Schnellladeleistung sinkt auf ungefähr 108 kW, der Vorgang bis 80 % dauert jedoch rund 29 Minuten, was die Nutzbarkeit des Fahrzeugs gegenüber der Konkurrenz in der Praxis kaum einschränkt. Diese Variante erscheint als vernünftige Wahl für Fahrer, die selten längere Strecken zurücklegen und sich häufiger lokal bewegen.
Für wen ist dieses elektrische SUV gedacht?
Das neue elektrische SUV richtet sich an Fahrer, die ein kompaktes Fahrzeug für den Alltag wünschen, aber nicht auf komfortablen Innenraum und sorgenfreie Bewältigung längerer Distanzen verzichten möchten. Priorität haben Komfort, Raumgefühl und Reichweite, nicht sportliche Fahrerlebnisse.
Besonders interessant wirkt die Long Range-Variante mit großer Batterie. Mit dem stetig wachsenden Netz an Schnellladestationen kann das Fahrzeug durchaus als Erstfahrzeug der Familie dienen und sowohl tägliches Pendeln als auch Urlaubsausflüge bewältigen.
Es lohnt sich, das Verh













