Umfassende Untersuchung: Über 4.500 Filialen auf dem Prüfstand
Die Preise in den Geschäften steigen schneller als die Haushaltseinkommen, weshalb die Wahl des richtigen Supermarkts zu einer strategischen Entscheidung wird und nicht nur ein alltäglicher Einkauf ist. Eine französische Verbraucherorganisation führte im Januar 2026 eine umfangreiche Analyse von über 4.500 Handelsketten durch, die Drive-Services anbieten. Dabei lag der Fokus auf den tatsächlichen Preisen, mit denen Kunden täglich konfrontiert werden, und nicht auf einzelnen verlockenden Angeboten aus Prospekten.
Die Untersuchung beschränkte sich nicht nur auf ein Produkt oder einige beliebte Marken. Die Analyse umfasste praktisch das gesamte Spektrum der Artikel, die eine durchschnittliche Familie in den Einkaufswagen legt:
- Produkte bekannter Marken, die in ganz Frankreich erhältlich sind
- Eigenmarken der einzelnen Handelsketten
- verschiedene Filialformate – von Hypermärkten bis zu mittelgroßen Supermärkten
Dank dieser Vorgehensweise spiegeln die Ergebnisse das reale Ausgabenniveau für den Lebensmitteleinkauf wider und nicht nur einige attraktive Aktionsprodukte.
E.Leclerc erneut an der Spitze der Preisrangliste
Sieger im Januar 2026 wurde dieselbe Kette wie in den Vorjahren – E.Leclerc. Dieser Handelsgigant behält seinen Ruf als Ort, an dem man die niedrigste Rechnung erzielen kann, und diesmal bestätigten harte Daten diese Position.
Die Verbraucherorganisation beschreibt den Vorsprung von E.Leclerc als deutlichen Unterschied, nicht als symbolische Differenz von wenigen Cent bei einem Produkt. Die Kette kombiniert niedrige Preise bei Markenprodukten mit einer aggressiven Strategie bei Eigenmarken. Für Verbraucher ergibt sich daraus ein doppelter Effekt – sie können die Einkaufskosten senken, ohne auf ihre Lieblingsmarken verzichten zu müssen, und dort, wo es möglich ist, zu günstigeren Alternativen greifen.
Hyper U auf dem zweiten Platz dank großer Filialen
Den zweiten Platz belegte Hyper U, also die Hypermärkte der U-Gruppe. Ihre Stärke beziehen sie genau aus den enormen Verkaufsflächen. Größere Flächen bedeuten höhere Umsätze, die oft eine bessere Verhandlungsposition mit Lieferanten und eine radikalere Preispolitik ermöglichen.
Hyper U übertraf zwar E.Leclerc nicht, konnte sich aber deutlich vom Rest der durchschnittlichen Akteure abheben. Für viele Familien ist das ein Signal, dass Einkäufe im „Hyper“-Format tatsächlich vorteilhafter sein können als in kleineren Supermärkten, auch wenn die Fahrt zum Geschäft selbst oft weniger bequem ist.
Intermarché und Super U: Vernünftige Wahl, wenn auch nicht die günstigste
Den dritten Platz in der Rangliste erhielten die Hypermärkte von Intermarché, dicht gefolgt von den Supermärkten derselben Gruppe und den Filialen von Super U. Diese Ketten spielen in einer anderen Liga als Giganten wie E.Leclerc, da sie häufiger auf mittelgroßen Flächen näher an Wohngebieten operieren.
Das erschwert es ihnen, identische Bedingungen mit Lieferanten auszuhandeln und Gewinnmargen auf ein Minimum zu senken. Dennoch können sie attraktive Preise bieten, dank stark entwickelter Eigenmarken, die in vielen Kategorien teurere Produkte bekannter Hersteller ersetzen.
Carrefour verliert Positionen, Auchan am teuersten unter den großen Akteuren
Im unteren Teil der Tabelle erscheinen Ergebnisse, die diejenigen überraschen könnten, die sich an aggressive Preiskampagnen vergangener Jahre erinnern. Die Carrefour-Gruppe schneidet unterdurchschnittlich ab im Vergleich zu den Marktführern – der Unterschied auf der Rechnung ist besonders bei großen Familieneinkäufen spürbar.
Noch schlechter erging es Auchan. Nach dem Ausscheiden der Ketten Casino und Cora aus dem Markt wurde Auchan laut den Daten der Verbraucherorganisation zum teuersten großen Akteur auf dem Markt. Dies betrifft hauptsächlich die Supermärkte dieser Marke, die den landesweiten Durchschnitt deutlich überschreiten.
Für Kunden bedeutet das nur eines – in Filialen mit diesem Logo wird die Rechnung für ein ähnliches Sortiment meist am höchsten ausfallen. Der Unterschied mag nach einem Besuch nicht auffallen, aber über einen Monat oder ein Quartal summiert er sich zu erheblichen Beträgen.
Welchen Platz nehmen Discount-Läden ein?
Gesondert muss man das Segment betrachten, das in Deutschland hauptsächlich mit Läden wie Lidl oder Aldi verbunden wird. In der Hauptrangliste der Verbraucherorganisation fehlten sie aus einem einfachen Grund – weder Lidl noch Aldi betreiben Drive-Services in einem Umfang, der mit großen Hypermärkten vergleichbar wäre.
Ohne ein einheitliches System und tägliche Online-Preislisten ist es schwierig, Daten mit derselben Genauigkeit zu sammeln wie bei klassischen Ketten mit entwickelten Drive-Plattformen. Die Organisation hat sie daher nicht in den gemeinsamen Vergleich mit Hypermärkten und Supermärkten aufgenommen.
Separate Analyse der Discounter: Lidl vor E.Leclerc
Die Verbraucherorganisation verfügt jedoch über aktuelle Daten auch zu Discountern – aus einer separaten Analyse, die ein Jahr zuvor durchgeführt wurde. In diesem Test wurde ein Warenkorb bewertet, in dem Eigenmarken dominierten, was ein sehr typisches Szenario für Kunden von Discount-Läden ist.
Das Ergebnis kann überraschen – bei einem Warenkorb mit Schwerpunkt auf Eigenmarken erwies sich Lidl als noch günstiger als E.Leclerc. Das bedeutet, dass der Discounter bei richtig ausgewählten Produkten selbst die aggressivsten Akteure der traditionellen großen Distribution übertreffen kann.
Dagegen schnitt Aldi schlechter ab und erreichte die Preisführer nicht. Das Etikett „Discounter“ allein garantiert also nicht die niedrigsten Kosten.
Was bedeuten diese Ergebnisse für den durchschnittlichen Kunden?
Die Geschichte aus Frankreich illustriert gut einen Mechanismus, der auch vom deutschen Markt bekannt ist. Je größer das Netzwerk und breiter das Sortiment, desto stärker der Druck auf niedrige Preise im gesamten Angebot. Deshalb erreichen Akteure wie E.Leclerc oder Hyper U hohe Platzierungen, während kleinere Formate ohne solchen Umfang es schwerer haben.
Aus Sicht des Geldbeutels zählt nicht der einzelne Aktions-Hit, sondern die Kosten für den gesamten wiederkehrenden Einkauf. Wenn jemand täglich ähnliche Produkte kauft, erzeugt selbst ein Unterschied von wenigen Prozent zwischen den Ketten im Laufe des Jahres einen beträchtlichen Betrag.
Praktische Nutzung dieser Erkenntnisse
Die Schlussfolgerungen aus der französischen Untersuchung lassen sich leicht auf alltägliche Kaufentscheidungen auch in Deutschland anwenden. Es lohnt sich, einigen einfachen Grundsätzen Aufmerksamkeit zu schenken:
- die Gesamtrechnung für den Warenkorb verfolgen, nicht nur Preise „führender“ Produkte aus Werbungen
- bewusst Eigenmarken mit bekannten Produkten kombinieren, wo kein Qualitätsunterschied erkennbar ist
- konkrete Rechnungen aus verschiedenen Ketten vergleichen, statt sich ausschließlich auf Werbeslogans zu verlassen
- Apps und Online-Preislisten nutzen, um das Preisniveau schon vor der Fahrt zum Geschäft zu prüfen
Für viele Haushalte erweist sich das Hybridmodell als am effektivsten – ein Teil der Produkte wird in einem großen Hypermarkt gekauft, der für niedrige Preise bekannt ist, der Rest in einem nahen Discounter, wo Eigenmarken die Rechnung deutlich senken können.
Es ist auch wichtig zu bedenken, dass die Rangliste für 2026 einen konkreten Moment einfängt. Ketten reagieren auf solche Vergleiche und können ihre Strategien schnell anpassen. Für Verbraucher bedeutet das nur eines – aufmerksames Beobachten der Rechnungen und die Bereitschaft, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern, können größere Ersparnisse bringen als mancher Rabattcode.













