Was das neue Lidl Plus Programm konkret bietet
Der Discounter führt eine grundlegende Umgestaltung seines Treueprogramms durch. Statt herkömmlicher Rabattcoupons sammeln Kunden künftig bei jedem Einkauf Punkte und tauschen diese anschließend gegen bestimmte Prämien ein – von Gutscheinen bis hin zu kostenlosen Produkten.
Die wichtigste Neuerung ist die einfache Umrechnung: Jeder ausgegebene Euro entspricht einem Punkt, wobei der Kassenbonbetrag auf volle Euro aufgerundet wird. Kaufen Sie also für 30,80 Euro ein, schreibt die App Ihnen 31 Punkte gut.
Das Programm funktioniert ausschließlich in stationären Filialen beim normalen Lebensmitteleinkauf. Ohne Scannen der Lidl Plus Karte an der Kasse erhalten Sie schlichtweg keine Punkte – ein nachträgliches Hinzufügen ist nicht vorgesehen.
Die genauen Regeln zum Punktesammeln
Der gesamte Mechanismus läuft vollständig digital über die mobile Anwendung. Die Vorgaben sind übersichtlich, bergen jedoch einige wesentliche Details.
- Umrechnung: 1 Euro vom Kassenbon (aufgerundet) = 1 Punkt
- Gutschrift der Punkte: maximal 48 Stunden nach dem Einkauf
- Gültigkeit der Punkte: 24 Monate ab Gutschrift
- Anrechenbare Einkäufe: nur stationäre Geschäfte, Geschenkkarten zählen nicht
- Warenrückgabe: entsprechende Punkte werden automatisch abgezogen
Die Punkte erscheinen spätestens nach zwei Tagen in der App. Ab diesem Zeitpunkt haben Sie zwei Jahre Zeit für deren Einlösung. Ein angenehmer Vorteil ist die freie Wahl – Sie entscheiden selbst, ob Sie ein kostenloses Produkt oder einen Rabatt auf den gesamten Einkauf bevorzugen.
Achtung bei der Sieben-Tage-Frist für Coupons
Die gesammelten Punkte reduzieren Ihre Rechnung nicht automatisch. Zunächst müssen Sie diese in der App in einen sogenannten Rabattcoupon umwandeln. Erst dieser Coupon funktioniert an der Kasse als Preisnachlass, Aktion auf ein bestimmtes Produkt oder Möglichkeit, etwas gratis mitzunehmen.
Der Händler verspricht circa 300 verschiedene Prämien, jede mit eigener Punktebewertung. Dabei kann es sich handeln um:
- Rabatt auf den Gesamteinkauf ab einem bestimmten Betrag
- Aktion auf ausgewählte Kategorien – beispielsweise Drogerie oder Süßwaren
- konkretes Gratisprodukt bei Erfüllung der Bedingungen
Die entscheidende Information, die viele erst zu spät erfahren: Jeder generierte Coupon gilt nur 7 Tage. Danach verfällt er und die Punkte lassen sich nicht wiederherstellen. Für das Haushaltsbudget lohnt es sich daher, Punkte erst dann in Coupons umzuwandeln, wenn Sie tatsächlich einen Einkauf in der kommenden Woche planen.
Wer vom neuen System am meisten profitiert
Den größten Nutzen bringt das Programm denjenigen, die häufig und regelmäßig einkaufen. Bei diesen Kunden wachsen die Punkte schnell und weitere Coupons lassen sich vorausschauend einplanen. In der Praxis profitieren am meisten:
- Familien mit regelmäßigen großen Wocheneinkäufen in derselben Filiale
- Singles, die oft „mal eben“ ein paar Sachen holen, aber das Scannen nicht vergessen
- Menschen, die gerne mit Shopping-Apps arbeiten und Aktionen planen
Weniger Vorteile erhalten diejenigen, die:
- regelmäßig vergessen, die App an der Kasse zu scannen
- größere Einkäufe nur alle paar Wochen tätigen und sporadisch in die App schauen
- Treueprogramme nicht mögen und keine Ablauffristen überwachen wollen
Aufgrund der vollständig digitalen Form des Programms bleiben Menschen ohne Smartphone oder solche, die einfach kein Handy beim Einkaufen nutzen möchten, außen vor.
So holen Sie das Maximum aus den Punkten heraus
Das neue System kann tatsächlich den Geldbeutel entlasten, erfordert jedoch einen etwas strategischen Ansatz. Einige einfache Gewohnheiten machen einen großen Unterschied.
Scannen Sie bei jedem Besuch – selbst wenn Sie nur Brötchen oder Wasser kaufen. Punkte werden vom gesamten Kassenbon berechnet, sodass kleine Einkäufe sich allmählich zu einer interessanten Summe addieren.
Prüfen Sie den Stand vor größeren Einkäufen – bevor Sie zum großen Wocheneinkauf aufbrechen, lohnt sich ein Blick in die App. Sie können dann einen Teil der Punkte in einen Coupon umwandeln, der genau zu Ihren Plänen passt.
Aktivieren Sie Benachrichtigungen – Push-Mitteilungen aus der App helfen, die Gültigkeit von Coupons im Auge zu behalten. Für Vergessliche kann das real hunderte Euro jährlich bedeuten.
Wandeln Sie Punkte vernünftig um – es ergibt keinen Sinn, den gesamten Vorrat in Coupons „auf Vorrat“ zu konvertieren. Die bessere Taktik ist, nur diejenigen Prämien einzulösen, die zu Produkten und Terminen Ihrer geplanten Einkäufe passen.
Digitale Loyalität versus Privatsphäre
Hinter dem ausgeklügelten Punktesystem verbirgt sich auch eine weitere Absicht: detaillierteres Kennenlernen der Kaufgewohnheiten der Kunden. Jedes Scannen der App an der Kasse liefert präzise Informationen über den Warenkorb-Inhalt. Auf Basis dieser Daten lassen sich stärker personalisierte Coupons erstellen und mit der Zeit auch gezielte Marketingkampagnen fahren.
Für viele Menschen ist das ein fairer Tausch – Daten über Einkäufe gegen niedrigere Rechnungen und konkrete Rabatte. Andere fühlen sich jedoch möglicherweise unwohl bei einer so detaillierten Nachverfolgung. Es lohnt sich, bewusst abzuwägen, ob die Ersparnisse aus dem Programm die Bedenken bezüglich der Privatsphäre überwiegen.
Wohin die Zukunft der Treueprogramme führt
Die einfache Umrechnung Euro gleich Punkt, digitales Sammeln und kurze Gültigkeitsfristen der Coupons stellen ein Modell dar, das für Handelsketten vorteilhaft ist, zugleich aber auch für gut organisierte Käufer attraktiv bleibt. Ähnliche Lösungen werden zum Standard im gesamten Einzelhandel.
In der Praxis kann jemand, der mehrere solcher Programme gleichzeitig aktiv nutzt, die Ausgaben für Einkäufe erheblich senken. Bezahlt wird dies jedoch mit der Zeit für Planung und der Notwendigkeit, Ablaufdaten zu überwachen. Die bewusste Entscheidung, welche Programme tatsächlich genutzt werden, hat reale Auswirkungen auf den Zustand des Haushaltsbudgets.













