Prestigehotel am Place Vendôme setzt auf neue Strategie im Patisserie-Bereich
Das renommierte Haus am Place Vendôme, weltbekannt für seine makellose Küche und verführerische Dessertkunst, hat eine fundamentale Umstrukturierung seiner Patisserie-Abteilung verkündet. Nach dem Weggang des langjährigen Küchenmeisters teilen sich nun zwei versierte Fachleute die Verantwortung, die beide die Geheimnisse dieser ikonischen Institution aus dem Effeff kennen.
Statt eines einzelnen Patissiers vertraut das Hotel jetzt auf ein erfahrenes Duo, das die Dessertkreationen erneuern und in eine neue Ära führen soll.
Olivier Lainé übernimmt die gastronomische Patisserie
Seit dem ersten Januar leitet Olivier Lainé den restaurantbezogenen Bereich der Patisserie. Sein Name war bislang eher hinter den Kulissen präsent als in den Schlagzeilen gastronomischer Fachmagazine, dennoch schätzen Kenner ihn als absolute Spitzenklasse in puncto Präzision und Nachwuchsförderung.
Ganze sieben Jahre wirkte Lainé als Dozent an der École Ritz Escoffier, der prestigeträchtigen Kochschule direkt im Hotel. Dort vermittelte er künftigen Patissiers die Techniken und ästhetischen Grundsätze, die diese Adresse auszeichnen. Jetzt soll er diese Expertise direkt auf die Teller der Gäste bringen.
Verantwortung mit beeindruckender Bandbreite
Unter seiner Leitung entstehen sämtliche süße Köstlichkeiten, die in den Restaurants und Bars des Hauses serviert werden. Dazu gehören die Desserts im Restaurant L’Espadon in Zusammenarbeit mit Küchenchefin Eugénie Béziat, das Angebot der Bar Vendôme, das legendäre Afternoon-Tea-Menü sowie die berühmten Hotelfrühstücke.
- Über zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Hotelpatisserie
- Stationen in renommierten Pariser Betrieben und französischen Regionen
- Langjährige Lehrtätigkeit an der kulinarischen Schule des Ritz
- Fokus auf Technik und Texturen bei Desserts
Beruflicher Werdegang von der Bretagne zu Fünf-Sterne-Häusern
Sein Diplom erhielt Olivier Lainé im Jahr 2002. Die Karriere startete er in der Bretagne, jener Region, die für butterreiches Gebäck und ehrliche Süßwaren bekannt ist. Später wechselte er zum Café Pouchkine, wo er lernte, hohe Produktivität mit luxuriöser Präsentation zu vereinen.
Anschließend verstärkte er als stellvertretender Patissier das Team im Shangri-La Paris. Dort erlebte er die Realität eines Fünf-Sterne-Hotels und die Pariser Standards der Gastlichkeit, die keinerlei Mittelmäßigkeit dulden. Genau diese Erfahrungen werden nun im Ritz Paris von ihm erwartet.
Philosophie des neuen Chefs: Klassik mit zeitgemäßem Twist
In seinen Stellungnahmen betont Lainé, dass er die neue Position sowohl als Ehre als auch als große Verantwortung begreift. Das Ritz verkörpert für ihn einen Ort, an dem Geschichte auf Emotionen trifft und jedes Dessert Erinnerungen wachrufen soll.
Seine Herangehensweise an süße Kreationen basiert auf der Neuinterpretation klassischer Rezepturen. Er arbeitet gerne mit vertrauten Formen wie Torten, cremigen Konditoreiwaren oder Schokoladendesserts und verleiht ihnen einen modernen Akzent. Dabei geht es nicht um spektakuläre Tricks, sondern um feine Nuancen, die der Gast bereits beim ersten Bissen wahrnimmt.
Eine entscheidende Rolle spielt das Zusammenspiel der Texturen: etwas Knuspriges, etwas Weiches, etwas auf der Zunge Schmelzendes – alles vereint in einem einzigen Dessert. Die Gäste dürfen sich auf durchdachte Kompositionen freuen, bei denen Geschmack und Struktur vom ersten bis zum letzten Löffel perfekt abgestimmt sind.
Joris Theysset führt die Boutiquen Le Comptoir
Die zweite Säule der neuen Strategie bilden die firmeneigenen Verkaufsstellen Ritz Paris Le Comptoir in zwei erstklassigen Pariser Vierteln. Für deren Sortiment zeichnet Joris Theysset verantwortlich, der dieses Projekt praktisch von Beginn an mitgestaltet hat.
Theysset stieß 2019 zum Team, als die erste Patisserie-Filiale des Hotels entstand. Er arbeitete als stellvertretender Chef eng mit seinem Vorgänger zusammen und leitete ab 2021 die Produktion. Die Hintergründe der Werkstatt kennt er daher ebenso genau wie die Erwartungen der Kunden, die für süße Mitbringsel vorbeikommen.
Von Ladurée zur eigenen Vision authentischer Patisserie
Joris Theysset stammt aus der Ardèche, einer Gegend, die mit Kastanien und rustikalen Desserts assoziiert wird. Dort sammelte er erste Erfahrungen, bevor er nach Paris zog. In der Hauptstadt war er unter anderem bei Ladurée tätig, einer der bekanntesten Konditoreien mit Spezialisierung auf Macarons und elegantes Gebäck.
Am Place Vendôme erlernte er die Sprache, mit der das Ritz seine Klientel anspricht: Raffinesse ohne übertriebene Prunksucht, Sorgfalt in der Form, jedoch stets mit Schwerpunkt auf dem Geschmack. Seit November 2025 zeichnet er eigene Kreationen im Le Comptoir und seine weihnachtliche Bûche Sucre d’Orge wurde zum ersten markanten Signal der neuen Ära.
Dessert soll länger im Gedächtnis bleiben als Worte
Theysset charakterisiert seinen Ansatz als authentische Patisserie. Er lässt sich von Kindheitsdesserts inspirieren, von hausgemachten Leckereien, die Wärme und Geborgenheit hervorrufen, und übersetzt diese dann in die Sprache einer Luxus-Auslage. Jeder Kunde soll nicht nur ein hübsches Gebäckstück mitnehmen, sondern vor allem eine Emotion.
Häufig kommt er auf ein Motiv zurück: Ein Dessert soll länger im Gedächtnis haften als das Gespräch am Tisch. Aus dieser Perspektive wird jede süße Köstlichkeit zu einem eigenständigen Erlebnis.
Warum das Hotel zwei Chefs statt einem wählte
Jahrelang lag die gesamte Verantwortung für das süße Angebot in den Händen einer einzigen Person. Nach einer mehrmonatigen Übergangsphase entschied sich das Hotel für einen Strategiewechsel. Die Funktionsteilung zeigt deutlich, wie stark die Patisserie gewachsen ist: Es geht längst nicht mehr nur um Desserts im Restaurant, sondern auch um ein intensiv expandierendes Netz von Boutiquen.
Diese Aufteilung ermöglicht es, den Stil präziser an den jeweiligen Kontext anzupassen. Ein Gast am weißen Tischtuch erwartet ein anderes Erlebnis als jemand, der sich eilig eine Schachtel Gebäck für eine abendliche Feier kauft. Das Ritz möchte beiden Szenarien gerecht werden, ohne dabei die Markeneinheit zu verlieren.
Der gemeinsame Nenner beider Chefs bleibt die Sorgfalt um den Geschmack, der Respekt vor der Hotelgeschichte und die Bereitschaft, das Angebot schrittweise zu erneuern.
Was die Veränderung für Dessertliebhaber bedeutet
Für Gäste des Ritz Paris könnten die kommenden Monate unauffällige, aber spürbare Neuerungen bringen. In den Restaurants sind ausgefeiltere Kompositionen zu erwarten, bei denen jedes Element eine konkrete Funktion erfüllt: vom knusprigen Boden über die Creme bis hin zu Saucen und Glasuren.
In den Le Comptoir Boutiquen erhalten Produkte mehr Raum, die an hausgemachte Köstlichkeiten erinnern, jedoch in luxuriösem Gewand präsentiert werden. Die Desserts können etwas nostalgischer ausfallen, basierend auf einfachen Assoziationen wie Vanille, Karamell, Schokolade, saisonales Obst – aber visuell und technisch zur Perfektion gebracht.
Für Konditoren und Süßwarenliebhaber stellt dieser Wandel ein faszinierendes Beispiel für die Führung eines umfangreichen Dessertangebots dar. Die Verantwortungsteilung belegt, dass Hotelpatisserie heute weit mehr ist als ein paar Gebäckstücke auf der Karte. Es handelt sich um einen eigenständigen Organismus, der unterschiedliche Herangehensweisen an Produktion, Marketing und Kundenbindung erfordert.













