Eine echte Smartwatch mit beeindruckender Ausdauer – die perfekte Kombination
Googles Betriebssystem für Uhren, Wear OS, ist eine speziell angepasste Android-Variante für das kompakte Format. Du kannst sowohl Google-Apps als auch Programme anderer Anbieter auf der Uhr nutzen – zusätzlich zu den klassischen Funktionen wie Fitness-Tracking, Gesundheitsüberwachung und Benachrichtigungen am Handgelenk. Das größte Manko des Systems war bisher der hohe Energieverbrauch. Samsungs Wear OS-Uhren schaffen typischerweise knapp zwei Tage Laufzeit.
In der Praxis bedeutet das: tägliches Aufladen oder Laden über Nacht – wobei du dann auf die Schlafanalyse verzichten musst. Gleichzeitig erreicht das System nicht die visuelle Brillanz oder flüssige Reaktionsgeschwindigkeit von Apples Watch OS.
Der innovative Ansatz mit doppelter Architektur
Oneplus und Oppo versuchten bereits, dieses Problem durch ein duales System zu lösen. Neben Wear OS kam ein Echtzeit-Betriebssystem zum Einsatz, das Gesundheitsdaten erfasst, aber keine erweiterten Smartwatch-Funktionen bietet. Sobald der Bildschirm aktiviert wird, wechselt die Uhr zum ressourcenhungrigen Wear OS. Diese Methode verdoppelte die Akkulaufzeit – doch 3,5 Tage sind ehrlich gesagt immer noch bescheiden.
Mit der Xiaomi Watch 5 geht der Hersteller einen entscheidenden Schritt weiter. Xiaomi kombiniert die Dual-Architektur-Idee mit modernster Silizium-Batterietechnologie und verbaut einen beeindruckenden 930-mAh-Akku – mehr als doppelt so viel wie Samsung in der Galaxy Watch 8 Classic. Zum ersten Mal habe ich damit eine Wear OS-Uhr, die ich wirklich selten laden muss.
Während meiner Testphase erreicht die Uhr regelmäßig knapp fünfeinhalb Tage mit einer Ladung – inklusive mehrerer aufgezeichneter Trainingseinheiten. Das ist bemerkenswert.
Premium-Materialien rechtfertigen das Gewicht
Die hohe Kapazität verdankt sich nicht nur der neuen Batterietechnologie. Die Uhr ist relativ groß und schwer – was allerdings auch den luxuriösen Materialien geschuldet ist: Edelstahl und Saphirglas verleihen ihr eine hochwertige Anmutung. Die Gewöhnung erfolgt schnell. Dank Standardbefestigung für Armbänder kannst du problemlos Alternativen verwenden, falls dir das mitgelieferte Band nicht zusagt.
Das Display ist großzügig dimensioniert mit relativ schmalen Rändern und hell genug, um bei Tageslicht perfekt ablesbar zu sein. Es erwacht zügig bei Berührung oder wenn ich die Uhr anhebe. Insgesamt fühlt sich alles überraschend flüssig an – obwohl der Smartwatch-Teil vom Qualcomm Snapdragon W5 Gen 1 angetrieben wird, einem Chip, der bereits einige Jahre auf dem Buckel hat und bei anderen Herstellern manchmal für Trägheit sorgt.
Flexibilität innerhalb definierter Grenzen
Der Hauptvorteil von Wear OS liegt in der Möglichkeit, Apps auf der Uhr zu installieren. Ich nutze beispielsweise Google Keep, um meine Einkaufsliste im Supermarkt abzuhaken, und kann sowohl Musik-Streaming-Dienste als auch Podcast-Player hinzufügen. Die Flexibilität hat allerdings Grenzen. Bei Gesundheits- und Fitnessmessungen bist du auf Xiaomis Dienste und die zugehörige Smartphone-App angewiesen – ein Wechsel zu Googles Fitbit oder Samsung Health ist nicht möglich.
Immerhin kannst du Daten über Googles Health Connect mit anderen Diensten synchronisieren, und Strava bietet eine eigene App für die Uhr, um Läufe direkt in deren System zu protokollieren.
An Xiaomis Gesundheitsmessung gibt es wenig auszusetzen. Hier findest du alles Erwartbare – mit einer Ausnahme. Schritte werden gezählt, Schlaf und Puls gemessen, und du erhältst Informationen über Energieverbrauch und Stresslevel. Was fehlt, ist die Pulsvariabilität (HRV), ein aussagekräftiger Indikator für Fitness und Stresszustand.
Präzises Training mit beeindruckender GPS-Effizienz
Selbstverständlich kannst du verschiedene Trainingsarten protokollieren und dabei kontinuierlich Puls, Rundenzeiten und weitere Werte verfolgen. Die Uhr erkennt automatisch Pausen und unterbricht dann die Aufzeichnung. Als ich das integrierte GPS teste und das Smartphone zu Hause lasse, zeigt sich kaum eine Auswirkung auf die Akkulaufzeit – bei einer Stunde Outdoor-Training verbraucht die Uhr lediglich zwei Prozent.
Weitere Funktionen, die du von einer modernen Smartwatch erwarten darfst: kontaktloses Bezahlen über Google Pay und Empfang von Benachrichtigungen. Du wählst selbst aus, welche App-Mitteilungen an die Uhr weitergeleitet werden. Antworten sind per Diktat, mit Emojis oder über eine winzige Tastatur möglich. An diesem Punkt wird es allerdings praktischer, einfach das Smartphone zu zücken, das du ohnehin bei dir trägst. In Deutschland wird die Uhr nicht mit eSIM-Variante angeboten.
Gesten-Steuerung mit Tücken
Die Uhr verfügt über einen speziellen Sensor zur Erkennung von Armbewegungen. Du kannst verschiedene Funktionen durch Kneifen, Fingerschnippen oder Kippen der Uhr steuern. Die Einstellungen dafür sind allerdings unübersichtlich. Manche Gesten lassen sich konfigurieren, andere sind voreingestellt – was ziemlich unklar ist. Mir gelingt es beispielsweise nie, durch zweimaliges Fingerkneifen ein Foto auszulösen, und ich bin unsicher, ob ich eine zusätzliche Einstellung aktivieren müsste oder ob die Erkennung einfach nicht funktioniert.
Immerhin schaffe ich es, durch zweimaliges Schütteln eine bestimmte App zu starten. Da die Funktion jedoch unzuverlässig arbeitet und zudem den Hauptvorteil der Uhr – die Akkulaufzeit – negativ beeinflusst, deaktiviere ich sie schließlich.
Schnellladen mit kleiner Einschränkung
Trotz des großen Akkus lädt die Uhr erfreulich zügig. Zehn Minuten Ladezeit liefern 20 Prozent – ausreichend für einen Tag. Nach 30 Minuten steht der Akku bei 50 Prozent. Danach verlangsamt sich der Vorgang, und die vollständige Ladung dauert 1 Stunde und 20 Minuten.
Das Laden erfolgt nicht kabellos, sondern über ein spezielles Ladekabel. Etwas ungewöhnlich: Am anderen Ende steckt kein USB-C-Anschluss, sondern der alte Standard-USB-Stecker. Das kann es manchmal umständlich machen, ein passendes Ladegerät zu finden.
Minimale Schwächen, überzeugende Stärken
Die Nachteile der Xiaomi Watch 5 sind marginal, die Vorteile hingegen beträchtlich. Sie ist die erste Wear OS-Uhr mit wirklich überzeugender Akkulaufzeit – und die Kompromisse, die man dafür eingehen muss, sind überraschend gering.













