NVIDIA und AMD im Duell der Upscaling-Technologien
Die aktuellsten Versionen von DLSS 4.5 und FSR 4 versprechen eine Revolution bei der Bildqualität in Spielen. Beide Lösungen setzen auf fortschrittliche künstliche Intelligenz, um Auflösungen zu erhöhen, Bildraten zu steigern und die Schärfe zu verbessern. Unabhängige Tests zeigen jedoch: Der Abstand zwischen beiden Technologien bleibt beträchtlich.
DLSS 4.5 setzt auf Transformer-Modell der zweiten Generation
NVIDIA lässt im Premium-Segment nicht locker und hebt mit Version 4.5 die Messlatte noch höher. Die zentrale Neuerung ist die Implementierung eines verbesserten Transformer-Modells der zweiten Generation. Dieses anspruchsvollere neuronale System analysiert Bilder präziser, sagt Details voraus und rekonstruiert fehlende Bildteile deutlich exakter als seine Vorgänger.
Der Hersteller gibt an, dass die Rechenanforderungen des neuen Modells etwa fünfmal höher liegen als bei DLSS 4. Das klingt alarmierend, doch das Unternehmen verweist auf einen entscheidenden Faktor: die Unterstützung des FP8-Formats auf RTX-Karten der Serien 4000 und 5000. Dank geringerer Präzision bei der Tensor-Datenspeicherung lassen sich mehr Operationen gleichzeitig verarbeiten, sodass die Auswirkungen auf die Performance in akzeptablen Grenzen bleiben.
DLSS 4.5 setzt auf aggressivere Bildrekonstruktion mit dem Ziel, eine Qualität zu erreichen, die nativer Auflösung bei gleichzeitig hohen Bildraten möglichst nahekommt.
NVIDIA zielt auf Spieler ab, die maximale Detailgenauigkeit erwarten: scharfe Texte, lesbare Kleinstelemente und minimale Artefakte bei Bewegungen. Genau in diesen Bereichen stießen frühere Lösungen, die auf klassischen Faltungsnetzwerken basierten, an ihre Grenzen.
FSR 4: AMD verabschiedet sich von vollständiger Offenheit zugunsten Hardware-AI
AMD hat einen fundamentalen Kurswechsel in seiner Strategie vollzogen. Jahrelang bewarb das Unternehmen FSR als offene und genügsame Technologie, die sogar auf Konkurrenz-Grafikkarten und Konsolen lauffähig war. Bei FSR 4 betritt der Hersteller nun die Welt dedizierter AI-Einheiten auf der GPU – exakt dort, wo NVIDIA über Tensor Cores bereits seit Jahren agiert.
Das neue FSR 4 nutzt spezialisierte Rechenblöcke zur Steigerung der Bildqualität. Der Preis dafür ist eine Beschränkung der Unterstützung ausschließlich auf Radeon RX-Karten der Serie 9000. Besitzer älterer Modelle gehen damit leer aus bei der fortschrittlichsten Version der Technologie, auch wenn frühere FSR-Varianten weiterhin auf einem breiteren Hardware-Spektrum funktionieren.
Branchenspezialisten bewerten, dass FSR 4 qualitativ das Niveau von DLSS der Generationen 3 bis 4 erreicht hat, was für AMD nach Jahren des Aufholens einen bedeutenden Fortschritt darstellt.
In der Praxis ist FSR 4 nicht mehr jener leichtgewichtige Algorithmus „für alle“, den man einfach in den Spieleinstellungen aktivieren konnte. Es wird anspruchsvoller, aber zugleich fest an die neueste AMD-Hardware gebunden – ähnlich wie DLSS an leistungsstarke RTX-Karten.
Vergleich in Spielen: Wer dominiert bei 1440p-Auflösung?
Die aufschlussreichsten Erkenntnisse liefern praktische Spieltests. Bei Vergleichsmessungen in 1440p-Auflösung mit internem Rendering in 720p standen beide Technologien vor einer anspruchsvollen Aufgabe: aus niedriger Ausgangsbasis ein möglichst scharfes und stabiles Bild zu erzeugen.
Bei Titeln wie Cyberpunk 2077 mit voller Unterstützung moderner Upscaling-Algorithmen wirken die Resultate auf den ersten Blick ausgeglichen. Spieler sehen detailreiche Szenen, hohe Bildraten und überzeugende Schärfe. Unterschiede zeigen sich erst bei genauerer Betrachtung spezifischer Bildelemente.
Neonlichter, feine Texturen und Bildflimmern
In Szenen, die für Algorithmen extrem fordernd sind – Neon-Schriftzüge, dichte Stadtbebauung, Gitter, kleine Texte – können sowohl DLSS 4.5 als auch FSR 4 gelegentlich leichtes Flimmern zeigen. Linien springen minimal und kleine Elemente neigen zum „Zittern“ bei Kamerabewegungen.
Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass DLSS 4.5 häufiger die Konsistenz feiner Details bewahrt und komplexe Texturen weniger verwischt. FSR 4 glättet tendenziell aggressiver, was die visuelle Flüssigkeit verbessert, jedoch auf Kosten der idealen Schärfe mancher Elemente geht.
Disocclusion – die Achillesferse von FSR 4
Die größte Überlegenheit von NVIDIA zeigt sich beim Phänomen der Disocclusion. Dabei handelt es sich um Situationen, in denen sich plötzlich ein Hintergrundbereich im Bild offenbart – beispielsweise wenn Spieler hinter einer Ecke hervorkommen, aus einem Fahrzeug aussteigen oder durch dichte Vegetation gehen. Upscaling-Algorithmen müssen in Sekundenbruchteilen „erraten“, wie ein Szenenausschnitt aussehen soll, den sie zuvor überhaupt nicht gesehen haben.
In praktischen Tests bewältigte DLSS 4.5 das Aufdecken von Hintergründen um Blätter, Gras und komplexe Objekte deutlich besser, während FSR 4 häufiger Artefakte und „Zerreißen“ von Konturen erzeugte.
Am deutlichsten wird dies bei Vegetation: Bei schnellen Kamerabewegungen verschwimmen Blätter und Gras zu etwas, das grünen Flecken ähnelt. DLSS 4.5 reduziert diesen Effekt wirksamer und erhält markante Formen von Ästen und Halmen. FSR 4 kämpft mit diesem Problem noch – in dynamischen Szenen am Waldrand oder in Parks lösen sich Kleinstelemente leichter auf oder flimmern.
Sieger des Duells: NVIDIA oder AMD?
Von außen betrachtet könnte man meinen, wir hätten endlich ein Unentschieden. FSR 4 erreicht das Niveau, auf dem NVIDIA früher war, und Spieler können freier wählen. Tatsächlich belegen Tests jedoch, dass DLSS 4.5 die Führungsposition behält, besonders in anspruchsvollen Szenen voller Details und schneller Bewegungen.
Warum erwägen dennoch Nutzer FSR 4?
- Ökosystem: FSR wird weiterhin bereitwillig von Entwicklern implementiert, oft neben DLSS, was Spielern Wahlfreiheit bietet
- Hardware: Besitzer der neuesten RX 9000-Karten erhalten verbesserte Bildqualität ohne Wechsel zu NVIDIA
- Philosophie: AMD hält ältere FSR-Versionen für eine breitere Nutzerbasis verfügbar, was die strengen Anforderungen von FSR 4 abmildert
NVIDIA behält dennoch einen Vorsprung dank länger entwickelten technologischen Portfolios. DLSS, Frame Generation, Reflex und umfangreiche Werkzeuge für Spieleentwickler bilden ein geschlossenes Paket, das sich mit einem einzelnen Generationssprung schwer nachahmen lässt.
Für wen eignet sich DLSS 4.5 und für wen FSR 4?
DLSS 4.5 erfordert GeForce RTX 4000- und 5000-Karten. Es bietet hervorragende Qualität bei Disocclusion, hohe Detailgenauigkeit und ein ausgereiftes Werkzeug-Ökosystem. Der Nachteil liegt in der Notwendigkeit neuester Karten und höheren Rechenanforderungen der Modelle.
FSR 4 funktioniert auf Radeon RX 9000-Karten. Es bringt einen großen Qualitätssprung gegenüber früheren FSR-Versionen und breite Integration in Spielen. Die Schwäche bleibt die Beschränkung auf die neueste Serie und schlechtere Verarbeitung komplexer Vegetation mit dynamischen Szenen.
Wer die Anschaffung einer leistungsstarken Karte ausschließlich für moderne AAA-Titel mit Raytracing und fortschrittlichem Upscaling plant, dem zeigen Tests eindeutig: DLSS 4.5 liefert das ausgereifteste Bild. Die Überlegenheit ist nicht immer gewaltig in statischen Aufnahmen, wächst aber in dynamischen Szenen, wo störende Elemente am leichtesten auftreten.
Besitzer von AMD RX 9000-Karten erhalten die lang erwartete Qualitätsverbesserung. FSR 4 ermöglicht dieser Plattform, sich dem Erlebnis anzunähern, das NVIDIA längere Zeit bietet – für viele Spieler wird das ausreichen, sofern sie Bilder nicht Einzelbild für Einzelbild vergleichen.
Die Zukunft des Upscalings in Spielen
Die Konkurrenz zwischen NVIDIA und AMD zeigt, dass bloßes Steigern roher GPU-Leistung an Bedeutung verliert. Entscheidend werden Algorithmen, AI-Modelle und clevere Tricks, die aus niedriger Auflösung ein Bild herausholen, das wie natives 4K oder 1440p aussieht. Für Spieler bedeutet das komplexere Einstellungswahl, aber auch mehr Möglichkeiten, hohe Bildraten ohne drastische Qualitätseinbußen zu erreichen.
Man muss bedenken, dass jedes Spiel diese Technologien etwas unterschiedlich implementiert. In einem Titel wird FSR 4 überraschend gut funktionieren, in einem anderen übertrifft DLSS 4.5 deutlich die Konkurrenz – besonders wenn Entwickler eng mit einem Hersteller zusammenarbeiteten. Am vernünftigsten ist es, Benchmarks als Orientierungshilfe zu betrachten und wenn möglich Bildeinstellungen persönlich zu überprüfen.
Weniger erfahrenen Nutzern hilft die Beachtung der Qualitätsmodi: Quality, Balanced oder Performance. Auf Qualität ausgerichtete Modi offenbaren Unterschiede zwischen DLSS 4.5 und FSR 4 am besten, während extrem leistungsorientierte Einstellungen Nuancen stärker zugunsten der Schärfe maskieren. Wer hauptsächlich dynamische Shooter oder Rennspiele spielt, schätzt eher hohe FPS und stabile Konturen in Bewegung als absolute Schärfe jedes Pixels auf einer fernen Wand.













